8. Februar 2009

Armut Macht Reichtum

Künstler für einen Linken? Ist Kunst politisch?

Klar ist sie das. Weil Kunst und Kultur ganz wesentlich zur Selbstverwirklichung und zur Selbstbestimmung der Menschen beitragen. Weil die Künste, kulturelle Bildung und Erinnerungskultur Grundlagen einer lebendigen Demokratie sind. Und weil wohl nichts so sehr die ganze Vielfalt einer Gesellschaftabbildet und erfahrbar macht, wie die Kultur. Kultur ist kein Luxus - alle Menschen müssen an Kultur teilhaben können.

Dafür braucht Kultur öffentliche Förderung und politische Unterstützung. Und Künstler brauchen Räume - Spielräume, Zeiträume, Proberäume und Ausstellungsräume. All diese Räume sind in den letzten Jahren immer enger geworden - auch in Kiel. Sie wieder zu öffnen, ist nicht nur eine finanzielle Herausforderung. Gefragt ist hier auch der Mut, der Kunst Freiräume zu geben. Das gilt für die Vergabe von Stipendiaten genauso wie für die Überlassung von öffentlich geförderten Ateliers und Plätzen in Künstlerhäusern. Allzu statische Rahmenvorgaben fördern die Qualität der Kunst nicht, sondern schränken sie ein, wo Freiheit zu ihrer vollen Entfaltung nötig wäre.

Mut haben auch die 14 Künstlerinnen und Künstler bewiesen, indem sie in der Sonderausstellung „Armut Macht Reichtum“ ein gesellschaftlich brisantes Thema in den Mittelpunkt gestellt haben, der Titel ist gleichermaßen vieldeutig wie provozierend. So vieldeutig und provozierend wie die einzelnen Werke und der Umstand, dass die Künstlerinnen und Künstler mit der Ausstellung ausdrücklich Stellung beziehen im Kieler Oberbürgermeisterwahlkampf. Die Künstlerinnen und Künstler setzen damit in all ihrer Unterschiedlichkeit - unter ihnen Studierte wie Autodidakten, manche gesellschaftlich angekommen, andere eher abgefahren - auf ihre jeweils ganz eigene Art ein gemeinsames Zeichen gegen Armut und den Missbrauch von Macht.

Die Bürgerinnen und Bürger Kiels haben am 15. März 2009 die Möglichkeit, es ihnen mit ihrem Kreuz auf dem Stimmzettel nachzutun. Für ihren Mut, ihr Engagement und ihre spontane Unterstützung danke ich den Künstlerinnen und Künstlern der Sonderausstellung „ Armut Macht Reichtum “ und der Traum GmbH, in deren Räumlichkeiten die Werke ab dem 15. Februar für gut sechs Wochen zu sehen sind, ganz herzlich.

Allen Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung sowie den Gästen des Restaurants wünsche ich kulturelles und kulinarisches Vergnügen.

Raju Sharma