17. August 2011

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgequetscht wie Zitronen

Wird es keine grundlegende strukturelle Verbesserung der Krankenhausfinanzierung durch die gesetzlichen Rahmenbedingungen geben, so werden die schleswig-holsteinischen Kliniken, besonders die kleinen Häuser, ihre medizinischen Standards und ihr bisheriges Leistungsniveau  nicht mehr halten können. Das ist die düstere Befürchtung der Personal-und Betriebsräte zahlreicher schleswig-holsteinischer Kliniken. Seit 2008 wehren sich die Krankenhausmitarbeiterinnen und -mitarbeiter mit der Kampagne "Über (das) Leben im Krankenhaus-Gerecht geht anders www.krankenhaus-in-not.de und rufen für Freitag, den 26.08. zur landesweiten Demonstration auf.

Kernproblem ist die Koppelung der Krankenhausfinanzierung an das sogenannte Grundlohnsummenmodell, ein Berechnungsmodell, dass von Krankenkassen-einnahmen Referenzgrößen zur Finanzausstattung der Krankenhäuser ableitet.Das führt zwangsläufig zu einer Deckelung der Krankenhauseinnahmen und zu einer chronischer Unterfinanzierung. Krankenhäuser können ihre tatsächlichen Kostensteigerungen nicht mehr  anders kompensieren als mit Personalabbau und der Auslagerung und Privatisierung von Serviceleistungen. Die mit dem Personal-und Stellenabbau einhergehende Arbeitsverdichtung hat das kritische Niveau längst erreicht.

Krankenschwestern müssen heute 25 Prozent mehr Patienten versorgen als noch vor zehn Jahren, zusätzlich belastet das Fehlen von über 10 Prozent der Pflegekräfte das Personal über die Maßen. Hohe Krankenstände beim Klinikpersonal sind die Regel geworden. Burn-out-Betroffene und Langzeitkranke  werden in extra eingerichteten Excel-Tabellen " verwaltet". Claudia S., langjährige Krankenschwester aus dem Städtischen Krankenhaus Kiel berichtet:" Noch vor wenigen Jahren waren wir sechs Kolleginnen auf dieser Station, dann waren wir vier und heute bin ich mit meiner Kollegin allein verantwortlich für 30 Patientinnen und Patienten. Viele von uns können einfach nicht mehr. Es ist die reine Tortur. Das Hamsterrad dreht sich für uns immer schneller und schneller. Viele von uns leiden an permanenten Erschöpfungszuständen. Dabei war das mal ein so schöner Beruf."  Auch die Pflegeschülerinnen und -schüler tun der erfahrenen Kollegin leid:" Bekommen wir mal ein oder zwei von ihnen auf unsere Station, so müssen die gleich mit ran. Zum Anleiten bleibt uns leider keine Zeit, die jungen Leute werden gleich mit eingespannt. Der Druck ist einfach viel zu hoch."

Neben der  Arbeitsverdichtung ist auch die Verteilung von Arbeit an weniger qualifizierte Kräfte ein großes Problem. Im Städtischen Krankenhaus Kiel gibt es mittlerweile für Krankenpflegepersonal drei unterschiedliche Vergütungsgruppen. Die Leiharbeit nimmt besonders stark zu. Die Auswirkungen der Arbeitszeitverdichtung gehen eindeutig zu Lasten der Patientinnen und Patienten. Es steht zu befürchten, dass sich die Versorgung der Bevölkerung mit qualifizierten Krankenhausleistungen drastisch verschlechtern wird.

DIE LINKE Kiel  unterstützt die Proteste der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Krankenhäuser nach einer strukturellen Verbesserung der Krankenhausfinanzierung.

Krankenhäuser leisten in elementarem Sinne Daseinsvorsorge und müssen durch den Gesetzgeber so finanziert werden, dass sie mit qualifiziertem und gut entlohntem Personal eine hochwertige medizinische und pflegerische Leistung für die Bevölkerung  erbringen können . Die Erwartungshaltung mancher Politiker, Krankenhäuser ließen sich betriebswirtschaftlich so rechnen, dass sie schwarze Zahlen schrieben, ohne dass dies negative Auswirkungen auf Personal und Patienten hätte, ist ein Irrweg..

DIE LINKE Kiel ruft seine Mitgliedschaft, seine Sympathisantinnen und Sympathisanten, die Kieler Bürgerinnen und Bürger auf, die Demonstrations-veranstaltung am  Freitag, den 26.08.2011 um 10 Uhr auf dem Exerzierplatz in Kiel durch ihre Teilnahme zu unterstützen.