18. November 2011

Fridtjof-Nansen-Schule in Kiel Gaarden - Eine Schule kämpft ums Überleben

Am 18. November wurde in ganz Deutschland vorgelesen: In diesem Jahr beteiligen sich über 11.000 Vorleserinnen und Vorleser an den Aktionen rund um den Bundesweiten Vorlesetag – mehr als jemals zuvor.

Raju Sharma, Bundestagsabgeordneter der LINKEN besuchte die Klasse 6b der Fridtjof-Nansen-Schule in Kiel-Gaarden. Für eine halbe Stunde durften die Schülerinnen und Schüler Zirkel und Stift bei Seite legen und in ein Meer von Geschichten eintauchen. Der schleswig-holsteinische Bundestagsabgeordnete las aus einem seiner Lieblingsbücher »Harun und das Meer der Geschichten« des indischen Schriftstellers Salman Rushdie vor. »Harun und das Meer der Geschichten« handelt von der Macht des Geschichtenerzählens, das Generationen und Menschen unterschiedlichster Herkunft verbindet. Zuhören ist dabei genauso wichtig wie aufrichtiges Interesse und Verständnis füreinander«, so Raju Sharma. 

Die Idee des LINKEN-Politikers, seinen Vorlesebeitrag an der Gaardener Fridtjof-Nansen-Schule zu halten, kam nicht von ungefähr. Seit Jahren leidet die ehemalige Haupt- und jetzige Regionalschule unter immensen Imageproblemen. Die Anmeldezahlen sind so gering, dass in diesem Jahr erstmalig keine fünften Jahrgangsstufe zustande kommt. Eltern melden ihre Kinder lieber an ehemaligen Realschulen an. Der Grund ist wahrscheinlich, dass in der Vergangenheit insbesondere Schülerinnen und Schüler an die FJN-Schule kamen, die wegen vielfältiger Problemen an anderen Schulen nicht aufgenommen wurden. 

»So ein Negativimage wieder loszuwerden ist äußerst schwierig, und es wird unserer engagierten Arbeit in keinster Weise gerecht. Alle, auch unsere Schülerinnen und Schüler, leiden darunter, aber wir halten zusammen und wollen jede sich uns bietende Gelegenheit nutzen, unsere Schule zu erhalten", sagte Schulleiterin Uta Kohrs.

Der Ortsbeirat Gaarden spricht sich für den Erhalt der Fridtjof-Nansen-Schule aus und unterstützt Schulleitung, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern. Ortsbeiratsmitglied Rolf Schrem fordert den Erhalt der Schule: »Wir brauchen diese Schule als einzige gebundene Ganztagsschule mit speziellen und umfangreichen Angeboten für Schülerinnen und Schüler aus unserem Stadtteil.«

Für Till Köhncke, Klassenlehrer der 6b steht fest, dass die Schule Zeit braucht, sich ein neues Image zu erarbeiten. »Die Initiative von Herrn Sharma war somit nicht nur ein schöner Beitrag zu unserem Deutschunterricht, sondern unterstützt auch unser Anliegen«. Köhncke ist sich sicher, dass alle an der Schule gute Arbeit machen. Wenn das kommende Jahr überstanden ist, wird jeder die Ergebnisse sehen können. 

Raju Sharma war vom Engagement der Schule sehr angetan: »Ich hoffe, die Schule hat Erfolg und bin gerne bereit, sie weiterhin zu unterstützen. Eine baulich und inhaltlich gut funktionierende Schule mit großen Erfahrungen in der Betreuung von Schülerinnen und Schülern und deren Familien zu schließen und gleichzeitig die Überlastung anderer Schulen in Kauf zu nehmen, ist völlig sinnlos.